Welche Kalligraphiefeder soll ich nehmen? 30.04.2014

Oft werde ich von Kunden gefragt, welche Kalligraphiefeder wofür eingesetzt wird und welche sich besonders für Anfänger oder Kinder eignen. Deshalb möchte ich mit Ihnen eine kleine Exkursion in die Welt der Kalligraphiefedern machen. Allerdings werde ich an dieser Stelle nicht bis an die Anfänge der Schreibgeräte zurückgehen - dafür würden wir etwas mehr Zeit benötigen, denn bereits die Ägypter schrieben mit Metallfedern, die sie auf Federkiele oder von Hand geschnitzte Röhrchen steckten. Die letzte in Ägypten gefundene Schreibfeder ist aus Kupfer und lässt sich auf das 13. Jhr. v.Chr. zurück datieren. Aber darüber an anderer Stelle mehr.

Die moderne Metallfeder verfügt über einen kleinen Tintenspeicher, der einen gleichmäßigen Schreibfluss ermöglicht. Die Federn sind außerdem genormt, so dass sie auf jeden beliebigen Federhalter passen. Einzige Ausnahme bildet die Röhrchenfeder – sie ist so klein, das sie lediglich auf den speziellen Röhrchenfederhalter passt. Hier gibt es so komfortable Exemplare, die über einen Hebel verfügen, mit dem die Feder fixiert und auch wieder gelöst wird!

Kalligraphiefedern von hoher Qualität kommen von so renommierten Herstellern wie BRAUSE® Calligraphie, Hiro Leonardt®, Speedball® und William Mitchell®. Diese Hersteller prägen ihre Federn mit der entsprechenden Bezeichnung und ihrem Firmennamen bzw. Logo - auf den Metallfedern von BRAUSE® z.B. findet sich ein Hahn als Markenzeichen. Besonders erwähnenswert finde ich die Tatsache, dass die Firma BRAUSE® ihre Metallfedern nach wie vor in Deutschland produziert.

Sogenannte No-Name-Federn kommen meist aus asiatischen Billigproduktionen. Leicht zu erkennen an dem dünnen Metall, welches sich schnell verbiegt und meist über das Papier kratzt.

Allen Kalligraphiefedern gemein ist jedoch, dass sie im Laufe der Produktion leicht gefettet werden. Sie müssen sie vor dem ersten Gebrauch unbedingt entfetten. Üblicherweise reicht dazu ein Tropfen Spüli und warmes Wasser.

Auch das Abbrennen ist probat, aber heute nicht unbedingt nötig, da die Fette der heutigen Produktion nicht mehr so fest sind, wie früher.

Doch welche Feder wird nun wofür eingesetzt?

Am gebräuchlichsten ist die Bandzugfeder, auch Wechselzugfeder oder Round Hand genannt. Sie eignet sich für gotische Lettern und rundbogige Schriften, wie sie vielfach bei Urkunden und Zertifikaten eingesetzt werden. Aber auch für Neueinsteiger und Kinder ist sie geeignet, da man mit ihr schnell zu guten Ergebnissen kommt. Das macht Lust auf mehr J ! Sie ermöglicht Wechselzüge und ergibt ein markantes, unverwechselbares Schriftbild. Die Überfeder kontrolliert den Farbfluss und dient gleichzeitig als Tintenreservoire. Befüllen Sie die Bandzugfeder schräg seitlich mit Hilfe eines Pinsels.

Die Pfannenfeder/Round Hand, ist auch eine Bandzugfeder hat aber statt einer Überfeder eine kleine Mulde, die sogenannte Pfanne, auf der Feder. Diese dient als Tintenreservoire.

Spitzfedern sind stählerne Schreibfedern, die über eine besonders harte und gespaltene Spitze verfügen. Daher eignen sie sich in erster Linie für die englische Schrift Anglaise, sowie für Fraktur. Es erfordert eine gewisse Übung mit ihr zu schreiben. Denn wird sie nicht im richtigen Winkel gehalten, kann das Papier zerreißen oder aber es gibt unschöne Tintenspritzer. Auf Grund ihres geringen Fassungsvermögens muss die Feder oft in die Tinte getippt werden. Sie wird, je nach Hersteller, in verschiedenen Stanzformen angeboten.

Die Zeichenfeder ist für exakte Zeichnungen und besonders feine Kursivschriften. Sie ist aus hochwertigem Federbandstahl und erstaunlich elastisch.

Die Zeichenfeder Cito-fein wird auch gerne als Schreibfeder eingesetzt, da sie weniger spitz zuläuft als andere Zeichenfedern. Sie eignet sich besonders gut für Ornamente, Kursivschrift und Druckschrift bzw. Script.

Die Ornamentfeder ist gleich unter mehreren Namen bekannt. So wird sie auch Zierschriftfeder, Schnurzugfeder, Plattenfeder und/oder Redisfeder genannt. Sie ist mit einer Platte und Überfeder bedeckt und wird vor allem für Überschriften, Blockschriften und Ornamente verwendet, weil sie einen gleichmäßig starken Schnurzug ermöglicht. So entstehenden "runde" Buchstaben, was sie auch für Kinder attraktiv macht.

Für besonders breite Schriftzüge werden Plakatfedern verwendet. Diese Feder nimmt sehr viel Tinte auf, was bei derart großen Buchstaben auch sinnvoll ist, um nicht mitten im Schreibfluss neu ansetzen zu müssen.

Die Stenofeder ist eine hochelastische Schreibfeder mit sehr feiner Spitze und daher ideal für die englische Schrift Anglaise und für Zeichnungen.

Die Hatat Feder hat eine abgeflachte Spitze und eignet sich daher ideal für hebräische Kalligrafie, arabische Kalligrafie und andere Rundschriften. Aber auch von Linkshändern wird sie gern eingesetzt.

Die Schülerfeder ist ebenfalls eine Schreibfeder, aber mit ihrer feinen Spitze ideal zum Schreiben und Zeichnen.

Eine Notenlinienfeder oder Notenfeder ermöglicht es Ihnen, fünf parallele und somit gleichmäßige Notenlinien zu schaffen. In früheren Jahrhunderten war dies eine sehr gängige Kalligraphiefeder. Heute wird sie mehr zum Dekorieren von Texten benutzt.

Die Fingerfeder ist eine Motivfeder und kann als Schreib- und Zeichenfeder eingesetzt werden. Sie hat eine mittelfeine, halbelastische Spitze. Mit ihrem großen Tintenspeichervermögen ist sie perfekt geeignet für eine exakte Strichführung, wie z.B. bei der englischen Schrift Anglaise oder der Kursivschrift.

Die Röhrchenfeder ist kleiner als alle übrigen Kalligraphiefedern und hat eine extra feine Spitze. Diese ermöglicht akkurate Strichzeichnungen und filigrane Arbeiten wie z.B. bei der Portraitmalerei. Die Röhrchenfeder passt nur in die speziellen Röhrchenfederhalter.

Rosenfedern gehören zu den Schreibfedern. Sie sind besonders hart und eignen sich für Druckschriften. Den Korpus ziert eine Rose.

Hier seien nur die gängigsten der vielfältig eingesetzten Kalligraphiefedern genannt. Alle Modelle müssen immer gut getrocknet werden, damit sie nicht rosten.

Was die Kalligraphie Federhalter betrifft, so dürfen Sie diese ganz nach Ihrem Geschmack wählen. Das Angebot ist groß und reicht von Holz über Metall oder in Kombination bis über Kunststoff und Glas, eben oder strukturiert, uni oder bunt, geölt oder lackiert.

Jeder Federhalter enthält einen Metalleinsatz, den Globus, der an einer Seite offen ist. An dieser Stelle setzen Sie die Feder ein und schieben sie entlang der Rundung, bis sie fest sitzt.

Bitte reinigen und trocknen Sie den Federhalter nach Gebrauch gut. Vor allem die Exemplare aus Holz, da sie sonst aufquellen und die Freude an ihnen nicht lange währt.